Von der Individual- zur Sozialtherapie

„Im weiteren Sinne meint Sozialtherapie eine neue Sichtweise von Therapie überhaupt. Je mehr sich die Überzeugung durchsetzt, dass psychisches Wohlbefinden soziales Wohlbefinden einschließt und zugleich voraussetzt, um so mehr muss jede Therapie auch soziale Therapie sein.

Sozialtherapie bezieht sich somit auf die Menschen in ihren komplexen sozialen Zusammenhängen. Sie kümmern sich um ihre persönlichen Beziehungen untereinander, um ihre ökonomischen und Wohnverhältnisse um ihre Arbeitssituation, ihre Probleme in und mit Institutionen wie Schule, Heim, Ämter u.s.w. …

Grundsätzlich wird jede Individualtherapie bereits zur Sozialtherapie in dem Augenblick, in dem Krankheit oder das Leiden eines Menschen nicht mehr ausschließlich als eine persönliche Angelegenheit behandelt wird, sondern als ein Ereignis, das ihn mit Personen und Umständen seiner sozialen Umwelt verbindet. …“

Prof. Dr. Horst Eberhart Richter (1923-2011)

Auszug aus seinem Buch: „Psychoanalytisch orientierte Familien- und Sozialtherapie“ (1991; S. 24)